Was Risiko bedeutet wird einem erst richtig bewusst wenn man es am eigenen Leib spürt. Um dies zu verdeutlichen möchte ich gerne eine kleine Geschichte aus den Anfängen meiner Börsenkarriere erzählen:
Im Februar 2004 habe ich beschlossen meine Investmententscheidungen selbst zu treffen. Ein Depot war schnell eröffnet und das Startkapital kurz darauf überwiesen. Nun will ein Börsenanfänger wie ich es war sich ja nicht mit irgendwelchen langweiligen Bluechips rumschlagen. Ich wollte schliesslich das ganz grosse Geld und zwar schnell. Deswegen habe ich entschieden in Rohstoffaktien zu investieren. Um dem Ganzen noch etwas Feuer zu geben in Junior Explorer.
Wenn Sie sich mit der Thematik bereits selbst auseinandergesetzt haben, werden Sie nun die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Für alle anderen sei erwähnt, dass etwa 25% der Junior Explorer erfolgreich sind und der Rest wieder vom Markt verschwindet. Das Risiko eines Totalverlusts ist demnach erheblich.
Aus heutiger Sicht betrachtet war zu dieser Zeit gerade die dotcom Blase geplatzt und man konnte mit Aktien eigentlich nicht wahnsinnig viel falsch machen. Vermutlich aus diesem Grund und weil das Thema Rohstoffe dazumal hausiert hat, wurde mein erstes Investment ein voller Erfolg. 400% Rendite in wenigen Monaten. An dieser Stelle war ich auch so smart, die Gewinne mitzunehmen und in einen anderen Junior zu investieren. Auch dieses Investment hat kräftige Renditen abgeworfen.
Zu dieser Zeit war Diversifizierung und Risikostreuung ein Fremdwort für mich und ich setzte alles auf eine oder zwei Aktien. Da bisher alles gut gegangen ist, war ich der Meinung, dass ich es voll drauf habe und sich die Fond-Manager mal an meiner Rendite ein Beispiel nehmen sollten. Schliesslich ist es ja so einfach, ordentliche Renditen einzufahren.
Doch es kam wie es kommen musste, eine starke Korrektur kam aus meiner Sicht völlig überraschend und absolut unberechtigt. Dass der Markt total überhitzt war, als ich zu Höchstpreisen eingestiegen bin hatte ich dabei übersehen. Die Preise sind immer weiter gefallen und ich wollte nicht einsehen, dass ich dieses Mal daneben gelegen habe. Als meine Rendite und auch ein erheblicher Teil meines Eigenkapitals futsch war, nahm ich das erste Mal bewusst wahr, was Risiko ist.
Warum habe ich diese kleine Anekdote erzählt? In IT-Projekten wird oft der selbe Fehler gemacht.
Eine zu entwickelnde Anwendung wird als Gewerk gesehen. Es wird alles auf eine Karte gesetzt. Gibt es nun aus irgendeinem Grund ein Problem, dann ist das “Alles-Oder-Nichts-Prinzip” extrem risikobehaftet.
Als Alternative dazu versuche ich, meine Kunden, wenn sinnvoll, dahingehend zu beraten, Features als autarke Services zu designen. Dies begünstigt zum Einen eine gut strukturierte Software und ermöglicht zum Anderen ein granulareres Riskmanagement. Am Beispiel eines CRM Systems könnte die Stammdatenverwaltung oder die Produktverwaltung ein Service sein. Bei Migrationsprojekten könnte mit diesem Vorgehen im Problemfall die neue Serviceimplementierung mit der abzulösenden ausgetauscht werden, ohne dass dies irgendetwas anderes beinflusst.
Allein diese Möglichkeit senkt das Risiko mitunter beträchtlich.
Letztlich ist es wie in der Geschichte mit den Aktien: Alles auf eine Karte setzen kann gut gehen. Teilt man sein Portfolio hingegen auf mehrere Titel auf oder – um die Analogie wieder herzustellen – splittet man sein Produkt in Komponenten und Services auf, dann reduziert sich das Klumpenrisiko. Zudem ermöglicht es dem Unternehmen Ressourcenengpässe durch externe Partner zu kompensieren und abgeschlossene Pakete outzusourcen.

